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03.11.2009, 15:17
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Erfahrener Benutzer
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Ort: Mülheim an der Ruhr
Beiträge: 268
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Wie es vor ca. 100 Jahren in Dümpten war, schildern anschaulich diese Zeilen von Hermann Finkeldei, Schriewer“ bei der „Bürgergesellschaft Mausefalle“ und Verfasser des Mölmsch – Platt –Wörterbuchs.
Dümpte üm 1900
Över Mölm um 1900, dodröwer het me inne "Musfall" all dückes chekallt, merr över Dümpte um 1900 um ßu winniger! Dat mag wähl dodraan ligge, dat Dümpte büß doheer en aafcheleege Kaff wu-ar. Merr: Dümpte wu-ar chro-at, an Umfang chrödder ees Mölm, un die Dümpsche ßungen mit Rääch:
"Van däm rieke Kuhn büß no'm Vennepo-at che-it uus Dümpte; üß uus Dümpte chro-at!"
Dümpte cheho-ar tur Tiet tum Landkreis Mölm un wu-ar in Sektione ingede-ilt. Un wenn ouk hie off do die Dümpsche ö-ahre Stroote Farnes gecheewe hadden, ßu wu-aren doch die Huusnummern mit Sektione bete-iknet: "Sekt.5,Nu.90"-"Sekt.1.Nu.85"-usf. Dat Dümpte um 1900 arme 10 000 Inwö-ahnes hatt, heet et der Industrie te verdanke. Beßo-unes Bielefeiler hadden et op Dümpte aafcheße-ehn un koachden fü-ar billig Cheild Chro-und un Boden op, um ßich en Huus drop te ßette, un ßomit wu-are se Dümpsche Bürger, die op Kohlberge un Fabrike Arbet fo-une' un mit ö-ahr Los in Dümpte beeter defre-e wu-aren ees in Bielefeild!
In Dümpte woad Platt, Mölmsch Platt che-kallt, un die- Frümden hadden ßich däm aan-depaaße; un wenn et die Aule nee le-aden: Die Pööste le-aden et um ßu chäuer un ter-düges!
Merr, wie geßaag, Dümpte wu-ar en aafcheleege Kaff un hatt ke-in Duktes un ke-in Apo-the-ake! Dr. Türk van Stirm heel in der Wirtschaf Folkenborn o'm Sche-ildberg Spreekstunden aaf; chliekertieds wu-ar he o-uk Scho-alarzt. Medizin off Medikamente mooßden ßich die Patienten in der Steech-schen Apothe-ake, koatt anne Frintroper Kirke, hole. Beßo-unes arm wu-aren die Berglüüt draan: Knappschaftsärzte wu-aren rar! Et cho-af hie bloß de wähle Dr. Fuchs van He-iße off Dr. Schulz van Mölm, op der Dill! Wegen dat Dr. Fuchs op en Pääd aangere-e ko-am, wenn he die Kranken be-ßooch, woad he me-istens vöörgetrockel Jo, dat wu-ar en Armutswerk in Dümpte! Drüm holpe ßich die Lüüt dückes ßelwer: En Kaafkööße wu-ar chutt teege Kopp-Pien, Kamille- off Pfefferminzte-a holp be-i Buck-Pien off Taunt-Pien usf. Tauntduktes kaunt me bloß "privat", dat hitt: Mit ßun Arbet wu-aren Raßierers off Schniedes be= frö-ündet un mackten dat ümßööß als "Dienst am Kunden".-
Wenn ick van Berglüüt kallde, dann mutt ick o-uk van Dümpsche Kohlberge kalle, wu die Kumpels be-i schwoorer Arbet ö-ahr Cheild verdinnden. Merr, wenn ick kall van 3,20 Mark die Scheech, dann hatt en Hauer en chudde Streb aangetroafen! Die Kohlberge in Dümpte um 1900 wu-aren Ssellerbeck un Rola-und, die du-ar en Sse-il- un en Zechenbahn mitenauner verbo-une Wu-aren. öwer die Chaussee -ßu ßaag me dumols fü-ar die Mel-lingkoffsche Stroote- fuhr die Bahn. Do, wu die Apothe-ake wu-ar (die 1966 däm Ruhrschnellweg = B 60 wieke mooß), wu-ar en Schlagbo-um wie op de aunere Ssitt, die dofü-ar ßorgden, dat ke-in Verkehrsunfall vö-arko-aml
Merr no-u will ick die Dümpsche Buure ho-achleewe loote, die chanz Dümpte tu Sselfsverßorger mackden! Buure, wie Bot-tenbruch, Schopes, Heelweg, in der Beek,
Leppke, Rola-und un von der Bey no-ahmen wähl e-in Driddel van Dümpte fü-ar ßich in Anspruch. Un dobe-i hatt jeder Dümp-sche Bürger ßuvöll Laund be-i ßin Wo-ah-nung, dat he ßich Hippe, Ferke un Hunner haule ko-un!
Wat wu-aren die Böösche um 1900 in Dümpte noch nett! Ick dink hie an dän Wittkaumps-boosch, dän tur Tiet van Buur Nö-ile verwaltet woad un in däm we-i Scho-alpööste vö-ar Ke-isescheburtsdaag uus die Hö-ilt-krabbele heele um dovan Kränze te maake. Widder dink ick an Kuppes- un Rannenbergsboosch mit ßin ßeewe Quelle, die en Möh-lendiek et Water chu-awen, dat däm Buur Rannenberg ßin Möhle in Betrieb bleef. O-uk dat Dännebööschke, wu die Schmalbeek ö-ahre Quell heet, kann ick nee vercheete, wegen dat we-i Pööste dodruut Feesche mit der Haund finge; alles Steeklingskes! Un wenn ick van en Beek kallde, mutt ick o-uk an die Hexbeek dinke, die ö-ahr Quellgebiet im Niers-Sippke heet un die du-ar en chru-aten Diek die Leppkes-Möhle in Betrieb heel.- All die Quelle, die Dümpte hatt, beweese, dat et Chro-undwater ho-ach genooch wu-ar, um Pött off Po-umpe mit kloor un ieskault Water te verßorge. Un wu-ar dä Ssummer noch ßu he-ite, noch ßu drüüg, ick wööß die Tiet nee, wu Dümpte o-ahne dat leckere Pöttwater wu-ar!-Över Pööste bruckden ßich Dümpte nee te beklage: Ssääß Schu-ale wu-aren nö-adig, um all die Trabanten o-unerdebringe! Die aul Schu-al o'm Sche-ildberg wu-ar noch uut Fachwerk chebaut, merr e-ine Klasse wu-ar chanz uut Teekelste-in draan chebaut. In der Klasse chu-awen't ahl moderne Bänke mit Klappsitze. Ick we-it dat ßu genau, wegen dat ick doo aach Johr lang "Schwerstarbet" verreech häb, wovan ick vandaag noch teer!- Hauptlehrer wu-ar tur Tiet da "Chriese Güldner". Die twidde Schu-al wu-ar die Chaate-Schu-al mit Rektor Zaun; die dridde Schu-al wu-ar die Sporsche Schu-al an'ne Wehrstroote; die vierde Schu-al lo-ag op de Stirmsche Ssitt am Krütz mit Rektor Schroer; die fiefte, die Wenderfeild-Schu-al, hatt ke-inen Rektor: Hie mooßden die Böwersten der aunere Schu-ale mit inspringe; die ßääßte Schu-al endlich wu-ar die katholische Schu-al am Sche-ildberg mit Rektor Westrup.-
Ssuvöll ick me-i erinnere kann, üß die St.-Barbara-Kirke äuler ees die evangelische Kirke, die töösche 1890 un 1900 chebaut woad, un dä e-aste Paschto-ar Röhrig wu-ar o-uk ßun Aat Schu-alinspektor, während da Kreis-Schu-alinspektor Heidingsfeld hidde.-
Dat die Pööste op Klo-umpe no'r Schu-al chinge un mit die Klo-umpe manch en Striet uutmackte, ßall neewenbe-i vermerk ßien!-Fü-ar Ordnung ßorgde Polleze-i Ullrichskötter. Merr dat chro-ate Dümpte ko-un he unmüglich alle-in bewältige. Drüm hatt he noch en Schandarm als Hölp. Wenn dä Schwandt mit ßinne schwatte Baat un ßin schwatt Pääd du-ar die Chegend flitzde, dann hatt et Aat! ---
Merr, wat ick noch ßägge wo-ul: Mölm wu-ar ees stolz op ßin "Ssinfonie-Schüür" van Kirkholtes, merr Dümpte wu-ar ees stolz op ßin Kreegerhall van Baume-ister! Ees Bau-me-ister storf, het Herme Schroer vam Schroer'sehe Koote chünn Ssitt van der Chaussee dän chanzen Komplex övernohme!
1904 wu-ar et ßuwiet: Dümpte woad ßelb-ständig un kreeg en Bürgerme-ister! Ick kann me-i noch entßinne, wie da ho-age Herr wie en König empfange woad! Die chan-ze Dümpsche Reiterei wu-ar vertratt. Kree-gerverein mit Kyffhäuser off Schimannsche Kapell vö-arop. Schu-alpööste fierden dän Daag wie en regelräächden Ssundaag! Merr, dat aule Bürgerme-isteramp mit däm Adler boowendrop behagden däm noblen Herr wähl nee: Et duurden nee lang, un Dümpte kreeg en flammne-i Bürgerme-isteramp an en Stroo-te, die noo 1910 da Name Beutherstroote kreeg.-
Merr, wat ßun Bürgerme-istere-i all noo ßich trock: Duktes wie Stock un Dupin (Knappschafs-Arz) siedelden ßich aan, un no-u ko-am o-uk chau en Apothe-ake. Merr: Dümpte kreeg noch voll me-ahr: Et kreeg ßogar en e-igene Feuerwehr! O'm Schu-al-hoff van der aul Schu-al woad en Feuer-wehrtoan chanz van Breer un Balkes mit Geräteschoppe chetimmert, un wenn dän Braund-me-ister Rektor Schuhmacher wie en Feldwebel vanne Hinkelmanns-Ssaldoote et Kommando öwer me-ahr ees e-in Dutzend Feuerwehrlüüt in Uniform hatt, dann hädden chitt ees wat ßehne ßölle, wie die Lüüt dän ßuwatt vier Stock ho-agen Toan herop- un heraafklumme! Braunt et ergeswu, dann leep en Blöser mit ßin Tuuthoan wie en Katickske du-ar die Stroote, um die Lüüt teßaametebloose.—-Merr: Dat Dümpte o-uk en Rennbahn hatt, ick chlö-if, dat we-it dän winnigste Mann. Un doch üß et wohr, dat ßich die Pääd vanne Buure op He-iermannsfeild en Renne leewerden, wu alles draan wu-ar! En Milkbuur hatt et bääste Pääd un chewunn boll Johr fü-ar Johr.
Um 1908 herum sto-und mit e-inmool die aul Ssellerbeck in Braund! Alles, wat do öwer Daag an Bauten sto-und, feel däm Füür tum Opfer. Vam chanzen Pött wu-ar nix me-ahr de rette. Die Berglüüt woaden van Zeche Roland öwernohme. —
Wat Dümpte um 1900 all fü-ar Tulö-ip hatt, üß e-igentlich tum Verwö-inere! Örgelsdrei-er un Strootemusikanten braachden fü-ar en paar Kupperpennige Kirmes in't Dörp! O-uk Zigeunes mit Aape, Beere un Kamels staule ßich in: Janhagelspack van aal de Herrenländer .
Neußer Kappesbuure trocke mit chro-ate Weeges voll Kappes no Dümpte, um dän Zentner fü-ar 2,80 Mark an dän Mann te bringe. Ssugar Korfmeekes vam Hunsrück wo-ulen ö-ahre derwe Waar verko-upe.-
Fuhr die 'Lektrisch 1900 bloß büs tum Bürgerme-isteramp, min Äules trocken te Foot mi'm chro-aten Ke-inerwagen no Künzel in-ne Stadt, um fü-ar die chanze Monnt Winkels-waar indeko-upe. Öwer die Po-undstute unbetallde BabbeIsches frö-iden we-i Blagen uus!
Och joo, die Aulen heelen dumols die Pennige teßaame. Me-ahr will ick nee vertälle un chlö-if, en Querschnitt du-ar Dümpte um 1900 gecheewe te häwwen, dän fü-ar mannig e-inen interessant chewese ßien mag. Wenn min Kalleroote Aanklang fo-une, will ick ink auner
Keahr noch ees wier wat vertälle!
aus: Hermann Finkeldei: Ssunnesplooter (Sommersprossen)
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05.11.2009, 09:12
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Aalerssiäle
Stell op dän Deesch Reseden, dat se ruuke,
de lääste roae Aasters lot hie stoon
un kall van Leewden, die we-i bruuke
ees vöardäm em Wi-emoon.
Chiff me-i din Haund, dat ek se stickum dröcke,
un wemmet ssüht, kamme dat ouk nicks doon,
chiff me-i merr e-ine van din ssööte Blecke,
ees vöardäm em Wi-emoon.
Et blöiht un chlöiht op Chrääwer nöi un aul,
e-imol em Johr, dü künne Doade operstoon.
Kumm aan min Hatten, dat ek’sche wier haul
ees vöardäm em Wi-emoon.
nach "Allerseelen" von Hermann von Gilm, 1812 - 1864
mit der redensartlich gewordenen Zeile: "Wie einst im Mai"
Übertragung: F. Firla
Beide Blumenarten kommen auch in einem Gedicht Fontanes [1819-1898] vor:
Spätherbst
Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, -
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.
Theodor Fontane
Geändert von Ssaansche (03.03.2011 um 16:20 Uhr)
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11.11.2009, 11:10
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De fiif Ssinne
Dä Mister inne Schoal hadd de fiif Ssinne duarchenohme. „Es kommt vor,“, dead hee dä Pööste verklöare, „dass beim einen oder anderen ein Sinn nicht richtig funktioniert. Zum Beispiel, wenn jemand blind ist, dann ist meistens ein anderer Sinn umso besser ausgeprägt. Der Blinde hat vielleicht ein besonders gutes Gehör. Liebe Kinder, auch in eurem Umfeld gibt es Beispiele dafür. Wer kann mir ein solches nennen?“ Et Wimken heet chau dän Finger inne Luuf chestooke un met Beche-isterung cheroope: „ Mister, wenn ees e-ine hinken de-it, derweege dat er e-in Be-in kötter ös … do ös dat aunere dodoföar länger!“
(Das Original stammt aus dem Odenwald – F.F.)
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12.11.2009, 11:46
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Nachtrag zu St. Martin:
Weckmann, Stutenkerl oder Puhmann?
Wortgeschichtliche Steckbriefe
Auf der Karte sind Weckmann und sechs damit konkurrierende Wörter eingezeichnet. Alle sind ursprünglich im Platt, also in den Dialekten oder Mundarten des Raumes, verankert. Hier zunächst ihr wortgeschichtlicher Steckbrief:
Weckmann: Weck oder Wegge ist im Rheinland ein altes Wort für eine bestimmte Brotsorte aus Weizenteig. So wurde es in Bonn den Bäckern im Dezember 1648 verboten, kleine Statuetten aus Ton »Uff die niclaß oder New Jahrß weck«, also auf die Nikolaus- oder Neujahrswecken, zu backen. Was macht den Weckmann zum Mann? Vielleicht dass er keinen Rock trägt und dass seine Beine zu erkennen sind? Beinkleider trugen in früheren Zeiten, als es dieses Gebildbrot schon gab und als Frauen noch (lange!) Kleider und Röcke tragen mussten, die Männer. Die Pfeife kommt als (ehedem) männliches Accessoire hinzu.
Stutenkerl: Das Brot, das in dem einen Ort Weck genannt wird oder wurde, kann anderswo im Rheinland durchaus Stuten heißen oder geheißen haben. Der Stuten ist also ebenfalls eine Brotsorte, die sich von anderen Sorten durch das verwendete Getreide, die Zusammensetzung des Teigs oder die Form unterscheidet. Kerl meint nichts anderes als Mann; eine Dialekt sprechende Frau konnte früher ihren Verlobten oder ihren Ehemann als ihren Kerl vorstellen, was zeigt, dass das Wort nicht per se abwertend klingen muss. Puhmann: Ein Buhmann, so ist im großen »Duden«-Wörterbuch nachzulesen, ist jemand, »dem [in der Öffentlichkeit] alle Schuld an etw. zugeschoben wird«. Im »Wahrig«, einem anderen Wörterbuch der deutschen Sprache, findet man unter dem Stichwort Buhmann »böser Mann, Schreckgespenst«. Gleichbedeutend damit kennen auch die rheinländischen Dialekte den Buhmann. Puhmann scheint eine Lautvariante zu sein, die früher im Rheinland einmal weit verbreitet gewesen sein dürfte. Im großen »Rheinischen Wörterbuch« ist für das Gebiet an der Ruhr noch eine andere Verwendung dieses dialektwortes erwähnt: es kann dort auch einen Weckmam bezeichnen. In Übereinstimmung damit taucht Puhmann auf der Weckmann-Karte für die regionale Alltagssprache in Mülheim und Oberhausen wieder auf. Auf den Puhmann, den die Kinder dort bekommen, werden sie sich ebenso freuen wie ihre Altersgenossen anderswo auf den Weckmann. Dass Puhmann aber einmal etwas ganz und gar Unerfreuliches meinte, etwas, das Schrecken einflößte, wird heute wohl kaum noch jemand wissen.
Buckmann: In den Dialekten des nördlichen Rheinlands wird Bauch als Buck ausgesprochen, so dass mundartliches Buckmann wörtlich mit Bauchmann zu übersetzen wäre. In den Dialekten von Viersen, Mönchengladbach und deren weiterer Umgebung wird, wie das «Rheinische Wörterbuch« belegt, ein Weckmann Buckmann genannt. Dialekt und regionale Alltagssprache decken sich in diesem Fall, wie der Vergleich mit der aktuellen Karte zeigt.
Klosmann: Der heilige Nikolaus wird oder wurde von den Dialektsprechern im Rheinland Klos genannt. Das o ist ein langes offenes o (oder ein ähnlicher Laut), das im Standarddeutschen nur in Fremdwörtern vorkommt (wie zum Beispiel in Callcenter). Am unteren Niederrhein wurde früher auch gern Sinter Klos oder Zenter Klos gesagt; als Sinterklaas ist er im Niederländischen bekannt. Das Gebildbrot, das die Kinder im Rheinland zu Nikolaus bekamen, hieß in vielen Orten einmal Klosmann. Das Wort wird, trotz der ungewöhnlichen Phonetik, auch in der regionalen Umgangssprache verwendet, wie einer der Fragebogenbearbeiter aus Düren betonte. Folgt man den Fragebögen, wird Klosmann heute vor allem
im Raum Aachen-Düren noch gebraucht.
Kloskerl: Ein Namensvetter des Klosmannes ist der Kloskerl. Im Jahr 2005 wurde dieses Wort besonders am unteren Niederrhein und Im Niederbergischen genannt.
Hirzemann: Im Raum Bonn - die beiden Ortspunkte südöstlich von Bonn stehen für Königswinter und Bad Honnef - kennt man neben Weckmann auch Hirze-nitum. In hochdeutscher Übersetzung hieße er Hirschmann. Früher backte man hier zu Nikolaus Gebildbrote in der Form eines Hirsches; im Dialekt heißt der Hirsch Hirz oder Hi-etz. Da lag es nahe, das einen Menschen darstellende (Gebildbrot, das zusammen mit den Hirzen gebacken wurde, Hirzemann zu nennen. Den Hirzemann gab oder gibt es, folgt man den Angaben des »Rheinischen Wörterbuches«, auch an der Ahr.
aus: WIR im Rheinland - 24.Jg. Heft 2/2006
Geändert von Ssaansche (03.03.2011 um 16:20 Uhr)
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16.11.2009, 10:19
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Färkestöön
(Hl. Antonius, der mit dem Schwein)
He-ilige Antonius, hölp me chau!
Die Lüüt fröher woare fromm,
un hadden ouk föar jedet Denge,
en Hemmelhe-ilige chau parat.
Dä ssorgden föar’t Chelenge.
Min Oahme hadd van sinne Tant
en Rad chekreegen, en chanz nöi,
en prima Dengen met aals draan,
dat woar ke-im billige Köi.
E-in Kiahr, do fuahr he noh de Poos,
noch eewes chau vöarm Eete.
He chingk dann met em Fröind en Stöck.
Dat Rad hadd he vercheeten.
Dat feel öm dann chanz plötzlich in,
do soach me e-ine sprenge!
“He-ilige Antonius, hölp me-i, hölp!
Ek doon’sche tehn Mark brenge!”
Et stoun noch do, he hadd völl Chlöck,
nou mooß he wat spendiere.
Of tehn Mark, of fiif, of twea
woar he am simmeliere.
“Ek derf me-i do nee lumpe loote,
de Kirke ös soa noh,
ek choon tum Färkestöön un danke,
dat min Rad noch do.
Dat dead he dann ouk werklich treck,
chingk tum Antonius ’rinn.
un schmeet in sinnem bleekern Doas
e-in innzig Märksken rin.
Nou koam he ut de Kirke ruut:
„Oh Schreck! Dou leewen Chott!“
soa koam et hatt ut sinne Schnuut:
Dat Flitzepee woar fott!
nach Johannes Ohlig, Mönchengladbach
Geändert von Ssaansche (03.03.2011 um 16:20 Uhr)
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20.11.2009, 12:24
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Boll che-iht dat allwiier loas met dä Vöarchresdaachstied. Hie em bettschen Vöarcheschmack
I-koupe kott vöar Chresdaach
Va’weege et chiff’t ke-in Omendüür meah te verleewe. Do muttse nee ekstra duar dat we-ile Kurdistaan föar te riie. Wän soa wat sseet, dän heet van dat modäne Tuute um Bloose ke-im bettsche Ahnung!
Ek mutt dat jo weete, denn ek häpp dat am e-igene Lief dökkes mitchekreegen, in us fien Ruhrbania - Mölm, oha ! Dä Ounerchangk vam Pompeji woar do noch en freedfäädig Idülle dotegen !
Ssooterdaach – lange Ssooterdaach vöar Chresdaach ---- we-iten ink nou Besche-id ?
Dat ek an ssoan Daach en nöie fiene schwatte Buksche koupen woul, dat hadd me-i bestemp dän Düvel inchecheewe.
Kloor, ees en vöarssechtigen Minsch häpp ek minne Wagen to Huus chelooten un ssin vam Wauldschlössken mit de Strootebahn chefahre !
Äwwer dann, en Stadtmitte, ees ek utsteegen woul: Et laaste, wat ek noch e-igenstainig doon koun, woar, noh de Uhr to kieken – halwe Vier.
Dann koam ek me-i vöar, ees in 'ne Büffelheerd, de Amok löpp.
Van achtern kreeg ek em Bobbycar inne Knee, van vöare em Paraplüi inne Buck un wood chnadelos de Rolltrappen eropchequetsch, donoh döar de Schloßstroote, wu ek charnee her woul, kreeg am Kohlekamp met e-imol en Knackwoos inne Haund, de ek öwwerhoups nee bestellt hadden – wood se äwwer chlicks ouk wiier loas un kreeg em Possion Moostert in dän Nacke, koam duar Tufall in en chroatem Plörrewinkel, wood do äwwer all be-i de Schlipsen un Hemden wiier duar en aunere I’changk op de Stroote cheschoowe. Do woar ek dann föar en kle-in Wiel Metchlied van en chrieschische Familje un moot twei schwatte Olive rouner schlocke, ssoach de chanzen Tied boowen öwwer me-i de bounte Chresdaachlööchde un ek fengk nou äenshaff aan te chlöive, ek wöar all doat on em Hemmel, do chingk dat met emol de Trappen erouner, un de Strootebahn koam aanchebruus, ek wood do met erinn chetrocken, on ees ek wiier anne Luuf koam, do wöar ek wiier am Wauldschlössken.
Op Ssaansch Platt opcheschreewe: F. Firla
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Geändert von Ssaansche (20.11.2009 um 12:26 Uhr)
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30.11.2009, 09:45
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Nou che-iht dat op Chresdaach aan!
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04.12.2009, 12:07
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Viier Weeke Chrisdaagstiet
( von Hermann Finkeldei )
Viier Weeke Chrisdaagstiet! Ick froog me-i ssinnig,
üss dat füar Mannslüüt nee en bet’sche winnig?
Min kle-in Frau üss nou chanz aunes wi-e ssös,
Nee ees im Frühjohr heet se me-i ssu chään geköös!
Ick derf re-in maake, watt ick will – ke-in Pratte,
ke-in ööwel Wo-ot kümb meahr ut öahrem Hatte!
Kumm Omes laaate ick no he-im – se üss ssu nett
un hilp me-i, wenn et ssien mutt, noch ssugar in’t Bett!
Ick derf be-im Eete nou de Ze-itung leese,
söi frog me-i nee: Wu büste wier geweese,
unhe-imlich wäd et e-inem doch düs Daag de Moot,
bringk ssu de Chrisdaagstiet de Leewe wier in Chloot?
Merr, ick ssäg nee: Wüar merr de Tiet vöaröwer,
oh nää, ick fröu van chanzem Hatte me-i dodröwer,
dat ick viier Weeke lang nou häb min leewe Rauh
wat donoh kümb, dat we-it gewees en jede Frau!
Viier Weeke Chrisdaagstiet! - Ick froog me-i ssinnig,
üss dat füar Mannslüüt nee en bet’sche winnig?
Min Frau üss brav nou all de chanze Chrisdaagstiiet…
Ick froog me-i still: Off de in me-i et leewe Chriske-ind
ssüht?
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09.12.2009, 08:40
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aus: Alles, nur kein Hochdeutsch
von Sabine Höher
Die Dialekte sind keineswegs nur einfach auf dem Rückzug, sie wandeln sich auch. "Bei uns in Oberhessen, wo jedes Dorf noch seinen alten Dialekt hat, da ist er seit 130 Jahren unverändert", sagt Schmidt. "Aber in der Schweiz und in Bayern ändert sich der Dialekt derzeit relativ schnell, weil er noch als Mittel der überlokalen Kommunikation intakt ist", sagt Schmidt. Nach einer Studie des Allensbach-Instituts aus dem vergangenen Jahr geben 45 Prozent der Bayern, 37 Prozent der Thüringer und Sachsen und 33 Prozent der Bewohner der Region Rhein-Main/Südwest an, "eigentlich immer" Mundart zu sprechen. In Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen können das nur zehn Prozent von sich behaupten. "Es gibt ein klares Nord-Süd-Gefälle", sagt Schmidt.
Von einem einheitlichen Hochdeutsch konnte in Deutschland ohnehin jahrhundertelang keine Rede sein. Die einzelnen Landsmannschaften interpretierten das Schriftdeutsch buchstäblich im Munde der jeweiligen Landschaft. "Das schwäbische Hochdeutsch eines Theodor Heuss und das rheinische Hochdeutsch eines Konrad Adenauer waren im vorvergangenen Jahrhundert ganz normale feine hochdeutsche Aussprache", sagt Schmidt. Der Siegeszug der einheitlichen hochdeutschen Aussprache kam erst mit der Schaffung der Bühnensprache 1899 und mit der 1928 eingeführten einheitlichen Rundfunksprache norddeutscher Provenienz. Sie wurde nach und nach zum Maß aller Dinge.
"Weil die Schrift als Träger der Kultur das größte Prestige hatte, übertrug sich dieses Prestige auch auf die buchstabengetreue norddeutsche Aussprache", sagt Schmidt. "Irgendwann wurde das alte landschaftliche Hochdeutsch als Aussprachevariante nicht mehr akzeptiert und abgewertet." Besonders bitter habe es das "schöne alte sächsische Hochdeutsch" getroffen, sagt Schmidt mit aufrichtigem Bedauern. 54 Prozent der Deutschen können Sächsisch überhaupt nicht leiden. Der beliebteste Dialekt ist Bayerisch (35 Prozent) vor norddeutschem Platt (29), Berlinerisch (22), Schwäbisch! (20) und Rheinländisch (19), so die Untersuchung von Allensbach.
Warum gerade das Bayerische so beliebt ist, obgleich es so mancher Hannoveraner kaum verstehen dürfte, kann der Dialektforscher mit einem einfachen Phänomen erklären: Authentizität. "Wenn heute jemand Bayerisch spricht, dann sagen wir gern: Der spricht eben Dialekt. Wenn einer Sächsisch oder Pfälzisch spricht, dann sagt man: Der kann kein Hochdeutsch." Das vermeintliche Original werde eben geschätzt und bewundert wie ein besonders pittoreskes Fachwerkhaus, hat Schmidt festgestellt. "Das andere wird wahrgenommen wie gewollt und nicht gekonnt. Das ist historisch tragisch - jedenfalls für die Sachsen." Vielleicht - das zumindest wäre eine Fährte, die es zu verfolgen lohnte - liegt es auch am Selbstbewusstsein der einzelnen Landsmannschaften, wie beliebt ihre Mundart bei den anderen ist. Das Besondere des bayerischen Dialektes könne durchaus auch mit dem Sprachstolz der Bayern zu tun haben, vermuten die Forscher bei Allensbach. "Es gibt in Deutschland keine andere Region, die so in ihre Mundart verliebt ist." Rekordverdächtige 77 Prozent aller Bayern finden ihre Sprache pfundig, auch das norddeutsche Platt ist bei den Eingeborenen mit 65 Prozent sehr beliebt.
Von einzelnen Städten gibt es keine Erhebungen, die Verfasserin dieser Zeilen ist jedoch aus tiefster Seele überzeugt, dass in Köln mindestens 99 Prozent der Ureinwohner die Frage, wo sich sprachlich der Nabel der Welt befindet, mit einem herzhaften "Jenau hier" beantworten würden. Es ist nicht zuletzt dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein und der Textfestigkeit der Kölner Fußballfans zu verdanken, dass der 1. FC Köln sich wacker in der Bundesliga hält. Wenn die Kölner Kurve die FC-Hymne singt, dann bekommt der Gegner einfach Gänsehaut: "Mer schwöre dir he op Treu un op Iehr: Mer stonn zo dir, FC Kölle. Un mer jon met dir, wenn et sin muss, durch et Füer, halde immer nur zo dir, FC Kölle! (Wir schwören dir auf Treu und Ehre: Wir stehen zu dir, FC Köln. Und wir gehen mit dir, wenn es sein muss, durchs Feuer, halten immer nur zu dir, FC Köln). Erhebend! Vom Karneval sei an dieser Stelle gar nicht erst die Rede. Nur so viel: Eine Stadt, die so viele Lieder hat, kann sprachlich gar nicht untergehen, auch wenn das Kölsche längst nicht mehr beherrschender Alltagsdialekt ist.
Für den Rest der Welt allerdings gilt: Wo der Dialekt nicht mehr benutzt wird, da stirbt er aus. Über den Zeitlauf von 17 Jahren hinweg haben die Forscher von Allensbach eine langsame Erosion des Dialektsprechens festgestellt - besonders in Ostdeutschland. 1991 betonten noch 41 Prozent der Ostdeutschen, "eigentlich immer" Dialekt zu sprechen, heute sagen das nur noch 33 Prozent von sich. Im Westen sank die Zahl derer, die kein Hochdeutsch sprechen, von 28 auf 24 Prozent.
"Die meisten Eltern wollen eben nicht, dass ihre Kinder regionale Merkmale haben, weil sie sie für den globalen Arbeitsmarkt fit machen wollen. Deshalb sprechen sie keinen Dialekt mehr mit ihnen", sagt Schmidt. Aus seiner Sicht ist das durchaus ein Verlust. Schließlich sei der Dialekt ja schon so etwas wie eine erste Fremdsprache. Zudem schaffe das Nebeneinander von Dialekt und Hochdeutsch auch ein Bewusstsein für genuin schriftliche Strukturen. Erst neuerdings sei dieser Trend erst wieder bei den Bildungseliten angekommen: "Und plötzlich gibt es in Norddeutschland wieder Niederdeutschstunden in der Schule."
In Baden-Württemberg arbeiten sie noch an ihrer Zweisprachigkeit. Dort schickt Daimler-Benz seine Manager in Hochdeutschkurse, um ihnen den Weg zur Weltspitze zu ebnen. Denn wie sich das anhört, wenn ein echter Global Player Dialekt spricht, kann man auf YouTube besichtigen: Barack Obamas berühmte Siegessäulen-Rede ist dort als schwäbische Verballhornung zu sehen. Als grantelnder Hauswart ("Was mi echt nervt, isch des Thema Fahrräder abstelle im Hausgang. Bei uns stellt jeder Daggel grad wie's ihm passt sein' Drahtesel in' Hausgang nei, trotz Verbotsschild ...") büßt der amerikanische Präsident doch erheblich an Sex-Appeal ein. Und irgendwie ist das auch genau das, was die Berliner an den zugezogenen Schwaben so nervt: lieber arm, aber sexy, als neureich und spießig.
Das Projekt: REDE — Forschungsplattform zu den modernen Regionalsprachen des Deutschen
Digitaler Wenkeratlas: DiWA
Obama als Schwabe: YouTube - Barack Obama Schwäbisch - Rede Berlin - dodokay SWR
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14.12.2009, 10:39
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Eine wunderbare Aktion in Norddeutschland, um Platt in die Schulen zu bringen!
Geändert von Ssaansche (03.03.2011 um 16:19 Uhr)
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