Wie heißt denn der Maulwurf anderswo in Deutschland?
Ein erster Versuch einer groben Übersicht ohne Garantie für die exakte lautliche und geografische Richtigkeit. Auch sind Dialektwörter aufgeführt, die aus früheren Zeiten der Dialekte stammen.
Mundartliste "Maulwurf" ohne dialektgeografische Zuordnung. Dazu siehe bitte die Karte.
Wie ein altes plattdeutsches Sprichwort zu verstehen ist.
-in der Diskussion-
Im Internet begegnet man an einigen Stellen der Diskussion über die wahre Bedeutung der Redensart: „Wenn du den Teller leer ist, gibt es schönes Wetter.“
Angeblich handelt es sich um eine Fehlübertragung aus dem Plattdeutschen.
Hier einige Beiträge aus Foren:
(1)„Iss deinen Teller leer, dann gibt es morgen gutes Wetter" - "Das Sprichwort stammt aus dem Plattdeutschen und lautet in seiner ursprünglichen Form etwa so: “Et dien Töller leddig, dann givt dat morgen goods wedder”. Dies wurde etwas frei folgendermaßen übersetzt: “Iss deinen Teller leer, dann gibt es morgen gutes Wetter”. Doch “wedder” hat nicht nur die Bedeutung “Wetter” sondern auch “wieder”. Und somit heißt der Satz richtig übersetzt eigentlich so: “Iss deinen Teller leer, dann gibt es morgen gutes wieder” (zu essen)." - aus einem Beitrag von Stephan Gärtner ...
(2)Eigentlich ist das ein Plattdeutsches Sprichwort, dass nur falsch übersetzt wurde. Es heißt eigentlich (das ist jetzt ganz bestimmt falsch geschrieben): " wenn't eten upp kummt, gift gauts weer". Auf Deutsch würde das heißen:"Wenn das Essen aufgegessen wird, gibt es gutes wieder". Dieses Sprichwort macht durchaus Sinn, denn es ist natürlich ein Kompliment für den Koch, wenn man sein Essen auf isst, weil ihm dies zeigt, dass das Essen geschmeckt hat. Also wird er sich weiterhin Mühe geben. Da man das "weer" aber sowohl mit "wieder", als auch mit "Wetter" übersetzten kann, kam es zu einem Missverständnis, das sich bis heute gehalten hat.
(3) So würde ich gern mal herumfragen, ob jemand etwas Näheres zu folgendem Beispiel weiß: "Wenn man seinen Teller leerißt, gibt es am nächsten Tag schönes Wetter." Dies soll ein Mißverständnis sein, zugrunde liege ein "morgen gibt es Schönes wedder" (= wieder etwas Gutes). Diese Weisheit steht auch bei Wiktionary und anderswo, mit niederdeutschen Grundlagen:
"... dan geft et mon schoins wedder" oder "wenn't eten upp kummt, gift gauts weer".
Mir kommt das wie eine nachträgliche Deutung vor. Frage an die Kenner: Ist diese Wortstellung im Niederdeutschen überhaupt möglich? Gibt es überhaupt Belege für diese Version? Und auch sonst: Ist es logisch, die Kinder zum Aufessen von etwas offenbar nicht besonders Leckerem in dieser Weise zu ermuntern? Und ist es nicht gang und gäbe, die Kinder mit allerlei kindischen Belohnungen zu locken, wenn sie nur aufessen? ("Ein öffelchen für ..." usw., mein Gott, ich habe drei Töchter in dieser Weise animiert ...)
(4)
Und wo wir gerade beim Wetter sind: An dieser Stelle bietet sich die Gelegenheit, mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufzuräumen, das seinen Ursprung im Plattdeutschen hat. Der Glaube, dass ein brav leer gegessener Teller Einfluss auf die meteorologische Entwicklung haben könnte ("Wenn du alles aufisst, dann gibt es morgen gutes Wetter") beruht auf einem Übersetzungsfehler. Auf Platt pflegte man nämlich zu sagen: "Un wenn du allens opeeten dost, dann gifft et morgen wat goods wedder" Übersetzt heißt das: "Wenn du alles aufisst, dann gibt es morgen wieder was Gutes!" Denn wo nichts übrigbleibt, da gibt es auch nichts aufzuwärmen, folglich wird am folgenden Tag eine neue Mahlzeit zubereitet, und Frisches schmeckt bekanntlich besser als Aufgewärmtes, daher darf man sich auf etwas Gutes freuen. Wenn dann auch noch die Sonne scheint, hat man doppelten Grund zur Freude, auch wenn das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, denn zwischen Himmel und Teller besteht kein Zusammenhang. (Bastian Sick, auf den sich viele beziehen)
Meine Meinung:
Dazu sollte man erstmal in alten Büchern nachschauen, wie diese Redensart und ihre Variationen überliefert sind.
Quelle 1: R.Eckart, Niederdeutsche Sprichwörter ..., 1893 : Michel, ett, dat't got Wedde wat. aus Preußen.
Michel iß, dass es gutes(schönes) Wetter wird.
Quelle 2: J.Raub (1976): Nr. 1895a: Iät dienen Teller li-eg, dann gi-et et gu-et Wiär.
Auch hier ist die Deutung unmißverständlich. Im Münsterländer Platt ist Wiär=Wetter und werr=wieder, was aber nicht vorkommt.
Weitere Quellen werden noch gesucht.
In Bastian Sicks Beispielsatz ist mir die Wortstellung am Ende suspekt. Es müßte heißen: wedder wat goods. Es sei denn es handelt sich ursprünglich um einen gereimten Spruch, was hier aber nicht erkennbar ist.
Allgemein ist zu sagen:
Beide Deutungen sind im Platt dadurch vorgegeben, dass oft lediglich eine Vokalfärbung für den Unterschied zwischen „wieder“ und „Wetter“ entscheidend ist oder die Wörter sogar völlig gleich klingen.(Homonyme)
Zu bedenken ist auch, dass eine hochdeutsche Übertragung durchaus von einer mündlichen Form ausgegangen ist, eine Unterscheidung durch Klein- oder Großschreibung oder durch leichte Abwandlung von Vokalen und Konsonanten im Schriftbild nicht möglich war.
Die Deutung Wetter erscheint etwas glaubhafter dadurch, dass in Abwandlungen des Sprichworters auch anderes versprochen wird, z.B. ein neues Kleid und dass es dem Kind wenig nützt, wenn es beim mühsamen Essen wieder an neues Essen denken soll!
Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt- und es darf nichts umkommen.
Nicht umsonst hat es seine Herkunft in Norddeutschland, wo das Wetter nicht immer sonnig
und für das draußen herumtollen geeignet ist. Der Spruch wäre im Süden weniger attraktiv.
Im Mölmsch Platt wäre die Verwechslung auch möglich, wenn man den langen i-Laut in „wiier“=wieder zu ee hin aussprechen würde und dann „Weer“= Wetter bekäme. Das ist durchaus im Gesamtdialektgebiet Mölmsch-Platt denkbar. „Wedder“ hieße allerdings wie „widder“hochdeutsch „weiter“.
aus: Matthes Schmitz: Us Moodersprook
...
Mär, woar de frühe Keinertiit vöarbei,
dann woar et uut met usem schöne Platt,
manch eine koun dat Hoachdütsch nee bechriipe
un kriich dann döchtich Klöppes op sinn Chatt.
En Lei, dat woar op einmool Schiefertafel,
en Botterramm, dat schriif sich Butterbrot,
mär, schlimmer woar et noch met däm Salat,
dä mackde me uut usem schöne Schloot...
...
Aber war die frühe Kinderzeit vorbei,
dann war es aus mit unserem schönen Platt,
manch einer konnte das Hochdeutsch nicht begreifen
und kriegte dann tüchtig Klöppe auf seinen Hintern.
„En Lei“, das war auf einmal Schiefertafel,
„en Botteram“, das schrieb sich Butterbrot,
aber, schlimmer war es noch mit dem Salat,
den machte man aus unserem schönen „Schloot“...
Schnücksken van usem Künnich Wilhelm IV. , dän ke-im Blaagen had
(aus dem Klevischen übertragen, Quelle: De plattdütsche Kladderadatsch)
Dä Künnich re-isden ees nohm Rhien, un do koam he ouk noh Weeze, wu tur där Tied en aulen doawem Poosshauler woante. Ees die Pääd ömchespannt woode, kallden dä Künnich öwwer dit un dat, un dä doawem Poosshauler mackden nicks ees Komplimente un ssaach „jo“ off „nee“, derweege dat he ouk van Tuute un Bloose nicks we-iten dead. Endlich froag öm dän Künnich, wievöl Ke-iner he hädde, merr däm Poosshauler höarden merr wat van „wievöl“. „Twintich, Majestät,“ sseet he, „ un vanner Naach ös er e-in dovan kapott chechange.“ „Chott sseegen us,“ seet dä Künnich un laachden, „ ek woul, dat ek er merr e-in häd.“
Ssunn Jüngferken, aal öwwer dattich Johre, woul nou partout doch ouk noch ees hieroode, un hadd'n ssich ssunne Schmecklecker van ssevenzig Johre aancheelaach, un se häwwe ssich ouk noch chetraut.
Dat koun joo nee lang chutt chohn, un wat ssall ick ssägge, noh dre-i Johren wuar dat laate un ouk te kotte Chlück vöarbe-i. Dre-i Weeke noh däm dat se öm bechraawe hadde, koam de Wittfrau noh öare Mooder. Do fröög de Mooder: "Ssääg ees, minn Dian, wuar dä Männe nee doch all'n betsche te ault füar de-i; dou hees doch ssicher nee ssu völl van üm cheehatt, me-in ick?“
"Ja, joo“, ssaach et, noch verleew un tröastlich, „va Chround op wuar he minnen Brawe, ümmer tefre-ie un ewechal unwiderstehlich, ssu rääch ssunne Kavalier van'r aule Schual. Et Ssunndaags häwwe we-i ümmer nett un ssinnig länger in-e Bädder chele-ege, un dan, ees de chruate Klocke van'r Kirke ssu langssaam
Bim-bam lüüe dead, dan heet he me-i ssu chanz vöarsseechtig un leewevoll chlücklig chemack.
Ja, joo, un vöar dre-i Weeke üss't dan passiert, ees we-i uss ssu rääch leef hadden be-i däm Bim-bam, choaf et Füü-eralarm, un de Schell van'm Füürwehrauto bimmelten ümmer töösche däm Bim-bam, - ja, joo, doo heet he wahl 'n Tuck chekreege un üss dobe-i ut’m Tack chekumme, un dann üss he ssanf in minnem Arm incheschloope.“
Bäästevaader heet nöi Tain chekreege, he kömp domit äwwer öwwerhaups nee turääch.
Middaachs be-im Eete choaw’t Ssuuren Kappes. Dat weckelden ssech töschen dat nöi Chebitt. He koun de Muul charnee meah verräppe. Do ös he dat le-id, nömp dat Chebitt metsamp dän Suure Kappes ut de Muule, schmiet dat düar de Kööke inne Eck un sseet: “Ssoa, nou fritt alle-in!"
Wat häbbe det Johr, 1930, op Posse Kinder on Groote wer vööl Freud gehat!
Dor stöhn op Soterdag in et Rhinberkse Blatt, dat sej in Rhinberk op de Määrt
wer Eier pecken deije wie in fruggeren Tid, on, weil Possemondag det Johr
op den ersten Aprel fiel, glöwne völ Lüj, man woll sej vor de Geck halde. Mar
näh!, die Kinder in Rhinberk hadde well begreepe, dat die Börgers van de
Sprookverein, an de Spetz den Sanitätsrat Dokter Schmitz, nit van et Lüge
tüß sind.
So wore sej allemol dor on hadde hattgekokte Eier in öhr Tasche: roje, grüne,
blaue, vilette, gäle, wette on bontgefärwte. On rechteg, dor kome sej all an,
Ohmen Hendrek met die Heere van de Sprookverein, on sej drugge in öhr
Tasche ock Eier wie all die Kinder.
Nau koß dat Eierpecke loßgohn. Wat ging et dorher! Äwer, - et verliep genau
na de Regel.
Woröm ging et dann eigentlich bej dat Eierpecke? Nau, - dat ös ganz einfach:
Die Eier wurdne Spetz täge Spetz geschlohn, bös dat een van die twee inge-
dötz oder gebroke wor. Genau so wurd dat met die stompe, andere Sitt van
dat Ei gemak, die Maaß hittne. Dat ingedötzte oder gebrokene Ei muß an den
„Tägespööler" afgegäwe werde. So hat den eene sin gebrokene Ei verlore, on
den andere hat et gewonne.
Ganz kort hitt'ne die Regel: Spetz op Spetz - Maaß op Maaß - gebrokene Eier
afgäwe!
Jederenne miek et so schlau wie Meister Kessenboom: Ers dat Ei an de Mau
afputze, dann vörsechteg on saachskes an die Tand tippe, dorbej äwer een
Ohr tuhalde, dann koß mer nämlek gut höre, off dat Ei hatt oder week wor.
Wenn me dat Ei van den „Tagespöler" tu hatt hiel, dann flöttne man op dat
Pecke met öm.
Jo, - so ging dat op de Määrt in Rhinberk tu; bald wore Eier verlore, bald ock
wer gewönne. Et wor en herrlek Spööl, on et soog üt wie op de Feileng in Moers.
Die Kinder lachne on hadde grote Freud dorbej.
Dor woren äwer ock enkelde, die versükne, met en Posselinnenei tu pecke.
Die häbbe gefudelt. Dat sech die Jonges nit bej de Kopp kreege, dat wor et all.
Äwer, man mot ehrlek bliewe, ock bej et Eierpecke.
On nau, - een Johr wier, wenn wer Posse ös, on die Posseier gut geroje sind,
dann komme wej Lüj van de Sprookverein wer na de Määrt, öm ow all Freud
tu maake.
Dann hitt et wer: Spetz op Spetz, - Maaß op Maaß! Gebroke Eier afgäwe!